Vom Versuch einer kleinen Herde zum Erfolgsprojekt

Zehn Jahre Heckrinder am Nordrand vom Toten Moor

Jetzt pflegen rund 45 Tiere 100 Hektar und Konik-Pferde helfen beim Offenhalten der Flächen mit

 

  Das ist eine Erfolgsgeschichte, die vor zehn Jahren begann: eine kleine Herde Heckrinder sollte am Nordrand des Toten Moores in Neustadt beim Offenhalten der ersten Flächen helfen. Heute pflegen rund 45 ausgewachsene Heckrinder und Kälber gut 100 Hektar des Naturschutzgebietes, und das mit sichtbaren Erfolgen: die ganzjährige Beweidung hält die Landschaft offen, drängt die invasive Späte Traubenkirsche zurück und schafft so vielfältige Lebensräume für Pflanzen und Tiere.


  Das Gemeinschaftsprojekt der Region Hannover, der Serengeti-Park Stiftung und des Landwirtes Stephan Ruhnow-Thieße aus Schneeren soll aus diesem Grund fortgeführt werden. Eine Win-Win Geschichte!

 

  "Aus diesem Versuch ist in zehn Jahren ein erfolgreiches Naturschutzprojekt geworden. Denn die Heckrinder übernehmen hier die Landschaftspflege auf natürliche Weise und schaffen gleichzeitig Lebensräume für zahlreiche Arten. Hier zeigt sich, was möglich ist, wenn Naturschutz, Landwirtschaft und engagierte Partner langfristig zusammenarbeiten", sagt Mark Hermann, Leiter des Fachbereichs Umwelt der Region Hannover.

 Und wie hat sich das erfolgreiche Projekt in zehn Jahren entwickelt? Das Projekt wurde 2015 geplant, im Juni 2016 zogen zunächst drei Kühe und zwei Kälber auf die Flächen am Nordrand des Toten Moores. Eine davon ist immer noch dabei: Delia mit inzwischen 19 Jahren die Seniorin der Herde. Mit ihrer ruhigen Art gibt sie innerhalb der Herde Orientierung. Kurz darauf kam Bulle Ludger hinzu.

  Zunächst sollte im kleinen Maßstab erprobt werden, ob die robusten Tiere die Grünflächen auch offenhalten können und zugleich die ‚Späte Traubenkirsche‘ zurückdrängen. Die positiven Erfahrungen führten dann dazu, dass nach und nach weitere Flächen in das Projekt aufgenommen wurden.

  "Wir haben bewusst klein angefangen und zunächst geschaut, wie sich die Beweidung auf die Flächen auswirkt. Die Erfahrungen waren so positiv, dass wir das Projekt Schritt für Schritt erweitern konnten. Aus der kleinen Anfangsherde ist inzwischen eine große Herde geworden, die auf rund 100 Hektar für den Naturschutz arbeitet", erklärte Jörg Schneider, Projektverantwortlicher in der Unteren Naturschutzbehörde der Region Hannover.

  Doch wie geht es jetzt mit dem Projekt weiter? Die Beweidung im Toten Moor soll fortgesetzt und nach Möglichkeit auf weitere geeignete Flächen ausgeweitet werden, um die Strukturvielfalt der Landschaft zu fördern. Dafür wird die Herde vergrößert. Um jedoch Inzucht zu vermeiden, wird der Deckbulle regelmäßig ausgetauscht.



  Die Beweidung wird künftig durch Konik-Pferde aus einem Naturschutzprojekt in Nordrhein-Westfalen ergänzt. Diese robuste, halbwilde Pferderasse verbeißt insbesondere nachwachsende Birken gezielter als Heckrinder. Die zwei Stuten und ihre Fohlen können so zusätzlich dazu beitragen, die Projektflächen offen zu halten.

  Das wichtigste Ziel: die invasive Pflanzenart Späte Traubenkirsche zurückzudrängen. Sie kann dichte Bestände bilden und dadurch heimische Arten verdrängen. Eine Bekämpfung von Hand ist auf großen Flächen arbeits- und kostenintensiv. Da kommen dann die Heckrinder in Spiel: sie fressen die Späte Traubenkirsche gezielt. Auf den beweideten Projektflächen ist sie inzwischen soweit zurückgedrängt, dass sie dort kein relevantes Problem mehr darstellt. Gleichzeitig halten die Tiere die Landschaft offen und sorgen für strukturreiche Flächen. Sie schaffen neue Lebensräume und Nahrungsangebote für zahlreiche Arten. Davon profitieren unter anderem lichtbedürftige Pflanzen und Insekten wie Feldgrillen, Heuschrecken, Mistkäfer, Fledermäuse, Neuntöter und Wiedehopf.Die Entwicklung der Flächen wird regelmäßig fachlich begleitet. Ein Biologe beobachtet die Pflanzenbestände und die Entwicklung der Vegetation. Auf dieser Grundlage wird die Beweidungsstärke angepasst.

  Das Projekt ist eine Gemeinschaftsaufgabe der Region Hannover, die Flächen bereitstellt und notwendige Infrastruktur wie Zäune und Geräte finanziert, und die Serengeti-Park Stiftung hat die ersten Rinder in das Projekt eingebracht und übernimmt die Betreuungskosten.

Die praktische Pflege der Herde liegt seit Beginn beim Schneerener Landwirt Stephan Ruhnow-Thieße, der sich um die Tiere kümmert, sie kontrolliert und er unterhält die kilometerlangen Zäune.

Da die Beweidungsflächen teilweise auch Wald umfassen, ist außerdem die Waldbehörde eingebunden. Für die Beweidung dieser Flächen wurde eine naturschutzfachlich begründete Ausnahme ermöglicht!

 

Ute Micha, PreDiNo/Sigrid Lappe, HaWo/ Fotos © Matthias Falk, hannover_fotografie